(Gegenwart) Twister

Ein Tag voller gemischter Gefühle, mal wieder. Ich wurde sehr süß geweckt, um genau 7:10. Durch eine SMS von Vero mit folgendem Inhalt:
"Bin heute früh noch etwas länger on sozusagen Bus verpasst bzw werd ich das sagen guten Morgen gruß Vero".

Genau 7:14 saß ich am Pc in Icq eingeloggt, um mit ihr zu schreiben. Es verlief wie immer, wir vertratschten uns, doch irgendwann fragte ich Sie wegen Frank. Sie meinte, sie ist froh dass ich es rausgefunden habe...und Sie fühlt sich extrem zu mir hingezogen und hat mich sehr gern, und wollte nicht dass das zwischen uns steht. Sie hat schon oft damit gespielt, bei mir vorbeizufahren.

Er war also schneller.

Das ist das Einzige, was mir einfiel. Ich verspürte ein Gefühl von Trauer und Zorn, das sich vermischte, gegen eine Person gerichtet, die ich nur aus Geschichten kenne. Ich wollte diese Bedrohung meines Glückes aus dem Weg schieben. Ich war sauer über mich selbst, mich nicht früher für Sie begeistert zu haben. Und jetzt ist Sie vergeben. Plötzlich, seit dieser Woche. Völlig unscheinbar und ohne Vorzeichen für mich. Als ob das alles ein großes Geheimnis war...

Meine Mutter fuhr mich in die Arbeit. Sie wirkte nicht sehr glücklich, damit, mich hinfahren zu müssen. Die Situation im Auto, die drückende Stille, die durch laute Peter Maffay-Dröhnung überspielt wurde, machte mein Gefühlsbild am Morgen nicht unbedingt besser.

Nach dem durchchecken der Bibliotheksliste in der Schule, hab ich mich auf Streife begeben, um einen Verantwortlichen für den Schulcomputer im Keller zu finden. Das stellte sich doch schwieriger raus, als es eigentlich gedacht war. Irgendwann zwischendrin war ich auf dem Schulhof mit ein paar 5.Klässlern, und spielte Fußball. In dem Moment der Ablenkung fand ich meinen Job doch wieder ganz klasse, wer verdient schon für Pausensport Kohle, auch wenns nicht viel ist.

In Gedanken versunken an Vero, von der ich wusste, dass Sie heute blau macht, begab ich mich in ein längeres Gespräch mit der Bibliothekarin. Ich erzählte ihr, weil Sie für mich die einzig richtige Person in dem Institut war, von der Drogengeschichte. Sie nahm es ihr Alter entsprechend (schätze Sie auf 40-50) auf..nämlich völlig falsch. Die Jugendlichen wollen mir eine Falle stellen, soso. Kopfnickend habe ich das Gespräch beendet gebracht.

Ich bin also wieder hoch zum Direktor und erfuhr, ich müsse eine Präsentation meiner selbst vor der Schülerschaft vorbereiten. Au weia, die Schule hat 1200 Schüler..ich war in meiner alten Schule noch der unbekannteste Schüler und wurde zum ersten Hartz4-Empfänger nach der Schulbank gewählt. Und jetzt soll ich der Bekannteste unter 1200 werden...das kann was werden.

Zurück in der Bibliothek erwartete mich eine angenehme Überraschung: Die Bibliothekarin schenkte mir einen Kuli, 2 Arbeitsblöcke um Notizen zu Geschehnissen in der Schule zu machen, und einen Apfel. Nette Geste wie ich fand, und bedankte mich auch eifrig dafür.

Ich entließ Sie ein wenig früher und war froh, dann meine Ruhe unten zu haben. Ich schnappte mir also ein weiteres Buch, und mutierte zur Leseratte. Irgendwann war mir das dann doch zu blöd, und schaute im Rechner nach Spielen...und fand Solitär, den Klassiker schlechthin. Nach 1h hatte ich den Dreh raus, und fand es gar nicht mal so schlecht. Zwar kein Vergleich zu WoW, aber immerhin.

Der Verantwortliche für die Computer kam dann, und versuchte den SchulPC zu reparieren. Ein neues Image musste drauf, das war für einen Laien wie mich ohne Erfahrung von Hochschulvernetzung natürlich nicht machbar. Er erledigte die Arbeit hastig, hatte es wohl eilig..rannte schon während dem Download wieder zu. Es kam wie es kommen musste, es funktionierte natürlich nicht.

Den Mittag verbrachten 4 5.Klässler bei mir, und noch ein paar von den Fußballern vom Vormittag. Dem einen half ich bei den Hausaufgaben, recht simple Faktorzerlegung in Mathe, und mit den 3 Mädels spielte ich ein komisches Brettspiel namens "Café international"...bis wir den Dreh dann raus hatten, klingelte es schon für Sie zur nächsten Stunde und für mich zum Feierabend, aber es war lustig.

Zuhause angekommen, sah ich meine Mutter beim Bad putzen. Auf die Frage, warum Sie das mache, weils ja eigentlich mein Job ist, kam mit einem gehässigen Unterton: "Du gehst ja einer halbwegs vollberuflichen Tätigkeit mittlerweile nach, dann kann ich dich ja damit nicht überfordern." Keine Ahnung was Sie schon wieder hat, aber nicht mit mir heute. Schon genug schlechte Infos schlucken müssen.

Als ich an Pc sitzen konnte, besserte sich meine Laune. Ich hatte meine Boxen um mich rum, meine Musik, die mir Kraft gibt. Und ich schaltete seit langem mal wieder WoW an. Vorher schrieb ich noch Vero, wenn Sie Lust habe, mit mir zu schreiben oder sonstwas, soll Sie sich bei mir melden, ich störe nicht wenn Sie Besuch hat.

In WoW unterhielt ich mich mit meinen Gildenkollegen mal wieder köstlich. Es ist immer so, man mag nur kurz hallo sagen und schnell sind 2h flöten. Aber man versteht sich über das Spiel hinaus. Diese Gemeinschaft, die ich da aufgebaut habe und verlassen werde, ist genial. Ich wollte nie den Posten, irgendwann habe ich Gildenleitung gehabt, Raidleitung, Ts-Admin-Rechte, Foren-Rechte, ich war Diktator. Aber es funktionierte. Ich heimste mir den Respekt von 100 Leuten ein, auch übers Virtuelle hinaus. Mein Avatar in dem Spiel ist extrem vielen Leuten bekannt, ich tauche sogar in einem Video mit spezieller Nennung auf: "Best Raidleiter den ich je hatte"...

Raidleitung ist schnell erklärt: Ich hab dafür gesorgt, dass an einem Abend sich 25 leute für eine gemeinsame Runde WoW verabredeten, und ich gab den Ton an. Wenn etwas funktionierte, lobte ich die Gemeinschaftsarbeit, wenn nicht, sagte ich, was nicht passte. Priorität hatten Herausforderungen wie ein Gegner, der nur mit 25 Mann gelegt werden konnte. Ich hab zum Erfolg beigetragen.

Aber man kann sich davon nix kaufen. All die Monate voller Enthusiasmus und Euphorie für dieses Spiel, in dem ich soviele verkehrte Menschen kennengelernt hatte, ließen mich mich völlig vergessen. Ich lernte viele Frauen durch meine witzige Art im Chat kennen. Ich hatte insgesamt 4 Verehrerinnen von 20-35. Und jetzt steh ich auf eine 19Jährige, die vergeben sein soll.

Ich kaufe ihr das allerdings nicht ab. Irgendwo will Sie mich doch, ich kann mir sonst das ganze Drumherum mit mir nicht erklären..

2h wartens später ist Vero tatsächlich on gekommen. Wir unterhielten uns eine Weile, Sie war nur bruchstückhaft da. Frank war bei ihr. Ich bekam Phrasen an den Kopf wie "er droht mir mit sexuellem Entzug". Ich ertrug das nicht und wurde wütend.

Während des Gesprächs war ich mit einer Gildeninternen Gruppe eine 10-Mann-Herausforderung, auch Instanz genannt, besuchen. Rein spaßhalber, war ich seit 2 Monaten nicht mehr. Man braucht eben 2-5 Stunden dafür. Ich stellte mir meinen leckeren Passoa-Likör zur Seite, und fing an zu trinken. Bis ich betrunken war. Die Leute fandens witzig, ich ja auch. Wir sitzen gemeinsam und kommunizieren über Headset. Und wenn ich als Betrunkener lalle, finde ich das meist selbst urkomisch. Das erheitert und bringt Spaß in die Bude. Aber niemand wusste, dass ich einmal mehr versuchte, einfach mal alles zu vergessen. Meine Mutter, die zur Zeit sehr komisch ist. Mein Vater, der sich nicht drum kümmert, mein Bruder, dems eh scheißegal ist...Vero vor allem. Und diesen Frank.

Nach den Sätzen von ihr wegen dem sexuellen Entzug ist mir der Kragen geplatzt. Sie hat wohl noch nicht kapiert, dass mich das trifft. Ich ließ mich in der 10er Ini auswechseln unter dem Vorwand, ich will in die Disko, und verabschiedete mich in Icq von ihr ganz plump mit "verficktes Kara, ich geh off, ciao"...und bereute es 2 Minuten später schon wieder. Wie kann man nur so blöd sein, seiner Verehrten so einen Mist zu schreiben. Damit kannste sicher nicht landen.

Nach einer relativ schunkelnden Raucherpause ging ich nochmal in Icq. Sie war leider schon off mit den Worten "oh...was war denn jetzt los...naja schönen Abend noch.."...ein bitteres Zeichen dafür, dass ichs vergeigt habe. Aber ich kann ihr nicht schreiben, wie es um mich wegen ihr bestellt ist. Frank würde es lesen. Das will ich nicht, das ist ne Sache, die nur Sie was angeht. Aber er solange da ist, kann ich nichts unternehmen und bin dieser Ohnmacht ausgeliefert. Das kränkt mich, und ich nehme noch einen Schluck von dem geilen Likör.

Ich will Sie ihm nicht kampflos überlassen. Aber er hat die Fäden. Er ist bie ihr daheim und glotzt Popstars. Wenn ich mir vorstelle, wie dieser Bastard bei meiner Geliebten da hockt und Popstars schaut, und danach mit ihr in die Kiste steigt, treibts mir die Galle hoch. Da bekommt man ja fast Mordgedanken.

Ich wollte eigentlcih wirklich in die Diskothek, aber der Alk und Stimmungspegel passt nicht. Ausserdem hab ich noch Husten, eine Nach-Kranks-Erscheinung. Blöde Kombi für eine Disko.

So werde ich wohl ganz ruhig und angenehm meinen Abend doch in WoW zu Ende verbringen, wie schon den ganzen Tag, und hoffen, dass der morgige Tag schneller rumgeht, damit ich Samstag Abend endlich mit Vero alleine reden kann. Noch solange muss ich aushalten, und es kommt mir wie eine Ewigkeit vor.

Ein Lied, dass die heutige Stimmung ganz gut trifft, heißt "Twister" und wurde von Remy Zero gesungen. Die Band trumpft mit dem Titelsong zu Smallville ("Save Me" und noch einer schönen Liebesballade "Shattered" auf.


 

 

2.10.08 22:57

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