Archiv

Intro: Schluss mit Lustig

Die Entscheidung, diesen Blog zu schreiben, liegt ganz bei mir. Was ich hier schreiben will, ist die Wahrheit. Nichts Anderes käme mir in den Sinn.

Schluss mit den Depri-Einträgen von damals. Schluss mit Lustig.

Ich werde euch in den kommenden Tagen Einblicke in mein Leben verschaffen. Ich werde nix schön- oder schlechtreden, ich werde nichts verschleiern, verkaufen oder ändern. Jedes gute und schlechte Detail wird eingearbeitet, um eine Geschichte im Ganzen entstehen zu lassen. Meine Geschichte.

 

Die Geschichte begann vor 20 Jahren, in einer Kleinstadt im Südwesten...in der Nähe vom Bodensee, unterm Hohenkrähen erblickte ich das Licht der Welt. Dass meine Mutter 5 Minuten vor meiner Geburt noch geraucht hat und das heute noch erzählt, spielte damals noch keine Rolle für mich. Ich war alles andere als gesund. Ein Herzfehler verwehrte mir die normale Entwicklung, mein erstes Lebensjahr verbrachte ich mit einem Loch im Herzen auf der Intensivstation. Keine leichte Zeit für meine Eltern, doch wann war Sie jemals leicht. Das Leben ist nicht dazu gemacht, einfach zu sein. Es ist zu komplex für diesen Ausdruck.

Nach verlassen der Intensivstation ging alles seinen normalen Verlauf: Ich lernte laufen, sprechen, bekam Zähne. Ich besuchte die Grundschule, und das Gymnasium. Mit Beendigung des Abiturs endete der erste große Abschnitt in meinem Leben, und ich blicke darauf zurück...und auch vor. Die Geschichte, die ich bisher erlebt habe, ist vielfältig. Gespickt mit guten, und auch schlechten Tagen...aber vor allem: Interessanten Tagen.

Nach und nach werde ich Teile der Geschichte aufschreiben, aus völlig egoistischem Grund: Ich will Sie mir ins Gedächtnis rufen können durch wiederlesen. Ich will Sie zeigen und zu erkennen geben. Ich will mahnen und auch mich selbst mahnen.

Ich suche weder Heuchler, noch Mitleider, ich suche keine Kritik. Lest es oder lasst es. Es zwingt euch keiner.

Part One beginnt.. 

 

2 Kommentare 17.9.08 16:25, kommentieren



(Gegenwart) Freedom Writers

Am heutigen Tage erschien nichts, wie es sonst war. Aber irgendwo musste es an dem Aufwärtstrend einen Haken geben.

Ich habe endlich einen Arbeitsplatz gefunden. Ich mache ein Fsj an einer Ganztagesschule, quasi als Sozialarbeiter. Obwohl noch keine Arbeitswoche rum ist, fühle ich mich schon wie Zuhause in meiner neuen Heimat. Es erfüllt mich mit einem gewissen Stolz, für Andere da zu sein. Für Jüngere, die ihre Pubertät noch vor sich haben und ein noch so unberührtes Leben führen.

Ich hatte auch ein wunderbares Mädchen kennengelernt, im selben Alter. Allerdings über das Internet. Wir entdeckten die skurrilsten Gemeinsamkeiten, über Vorlieben und Abneigungen bis hin zur parallelen Vergangenheit...es war grausam, das anzuhören und sich widerspiegeln zu können. Es war, als würde jemand aus meinem Leben erzählen.

Diese Verbindung zog ein gewisses emotionales Band zwischen uns Beiden. Es ist für mich komplett neu, diese Empfindung..diese Emotion. Ich wollte mich zunächst nicht darauf einlassen, auf mich selbst. Aber als die Sache sicher schien, lies ich mich komplett fallen. Ich gab mein Innerstes Preis an eine Frau, die ich nur aus dem Internet kenne. Als dann auch noch positive Resonanz kam, war ich mir eines Sieges sicher. Es gab Tage, da telefonierten wir 11h am Stück und es wurde immer noch nicht langweilig. Man hatte sich soviel zu sagen.

Und jetzt...übernachtet eine andere Internetbekannschaft bei ihr und gibt vor, ihr Freund zu sein. Noch habe ich nichts von ihr dazu gehört. Das hat den einfachen Grund, dass Sie so tickt wie ich - und ich es auch nicht zugeben wollen würde. Weil das alles einfach zu schön war. Ich weiß nichtmal wieso mich da so trifft, ihn reden zu hören à la "Die Frau ist sooo geil" "Madame hat ein Loch mehr als du, deswegen geh ich jetzt off"...es trifft mich einfach. Irgendwo zerstört es doch die Hoffnung, die Illusion, die ich mir gemacht hatte.  Ich wollte Sie überraschen, dieses We rüberfahren...Sie wohnt keine 100km weg. Stattdessen kommt da so ein Futzi aus Berlin.

Als ich ihn da heute hörte, und nun genau wusste dass da was am Laufen war, wusste ich nicht, wie ich reagieren sollte. Ich habe also so wie immer reagiert - Im Chat erkennt man das ja nicht. Das ist die Tücke...Leute wie ich durchschauen jedenfalls jedes Wort. Kurze Zeit später machte ich den Pc und WoW aus, packte mir eine Pizza in Ofen und machte den Fernseher an. Achja, Regenwetter, um das nicht zu vergessen.

Und es kam ein Film...und was für einer. Er triggerte mich wie schon lange kein Film mehr. Freedom Writers hieß er. Ein Auszug aus der Beschreibung (Quelle: Google->Freedom Writers):

"Der dreiundzwanzigjährigen Lehrerin Erin Gruwell gelingt es, ihre Schüler aus einem hoffnungslosen Kreislauf von Gewalt, Drogen und Gangkriegen herauszuholen und - zum Tagebuchschreiben zu bewegen. So beginnt eine Entwicklung, die den vom Erziehungssystem längst aufgegebenen Jungen und Mädchen eine zweite Chance gibt – und sie rettet. Alle, die »nicht erziehbaren«, »unterdurchschnittlichen« »Deliquenten«, schaffen ihren Schulabschluss und beginnen ein Studium. Nach einer wahren Begebenheit."

Mich interessieren solche Geschichten extrem. Sie spiegeln die Wahrheit wieder. Ein System, in dem die Jugend am Wichtigsten sei, aber am wenigsten Beachtung bekommt. Diese Jugendlichen haben dank einer talentierten Lehrerin ihren Mut zum Leben gefunden. Sie haben es geschafft, sich aus ihrem Sumpf zu befreien. Mich hat der Film total eingenommen...ich hab jede Sekunde aufgesogen.

Wenn ich irgendwann Geld haben sollte, werde ich dieses Buch kaufen.  

Alles in allem ein nicht so berauschender Tag. Ich habe nicht so die Ambition, irgendwas heute zu unternehmen. Ich muss erstmal diesen Vertrauensschlag ins Gesicht verdauen, aber wie ich mich kenne, is das Morgen schon erledigt. Einmal schlafen und ich bin in einer neuen Welt...hehe. Ich bin kaputt vom arbeiten, 45 Minuten Fußweg zur Arbeit ist eben doch eine Belastung.  Zu allem Übel bin ich natürlich auch noch krank. Ich werde jetzt noch ein wenig rumsitzen, Musik hören, versuchen, die Bude warm zu bekommen..und dann werd ich mich in mein Bett legen und mich auf den Morgen freuen.

Und im Bett noch ein wenig an die Geschichte der Freedom Writers denken.. 

2 Kommentare 30.9.08 20:32, kommentieren

Werbung